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SANTIAGO & LAS PALMAS

07.09 - 20.09.2023

Santiago - oft meiden wir Grossstädte mit dem Camper. Es ist einfach alles immer etwas mühsamer wie parken, Schlafplatz finden, sicher fühlen und der Stadtverkehr. Da wir aber noch einiges auf unserer To Do Liste hatte und ein paar Dinge besorgen mussten, ging es für uns rein in den Grossstadt-Jungle. Die ganze Stadt ist mit tausende Strassen-Tunnel verbunden, was das navigieren nicht wirklich erleichtert und doch haben wir uns irgendwie gleich wohlgefühlt. Zunächst klapperten wir ein paar Shopping-Malls ab inkl. Besuch bei Ikea. Wir waren auf der Suche nach einem kleinen Camping-Kocher den wir auf längeren Wanderungen und Bike-Touren mitnehmen konnten. Gar nicht so leicht etwas passendes zu finden, was klein genug ist zum mitnehmen und trotzdem eine ausreichende Topfgrösse hat, damit wir nicht 5x hintereinander kochen müssen. Nach langer Suche haben wir für uns eine perfekte Lösung gefunden und noch weitere Kleinigkeiten besorgt.


Seit wir im Van leben hat sich unser Kauf-Konsum um einiges reduziert. Bevor wir etwas kaufen, fragen wir uns - brauchen wir es wirklich? Haben wir dafür einen Platz? Können wir vielleicht etwas aussortierten? - wenig Platz hilft sehr ein eher minimalistischen Leben zu führen. Obwohl wir noch zahlreiche Kisten daheim haben, vermissen wir nichts. Wenn wir zurück sind, werden wir bestimmt sehr überfordert sein mit dem ganzen Zeug, war wir da in unserem Leben so angesammelt haben. Wir werden sicherlich noch einmal gründlich aussortieren und ausmisten.


Aber zurück nach Santiago :) Eine Grossstadt hat auch zahlreiche Vorzüge, unendliche grosse Auswahl an coolen Cafés, Restaurant und hippen kleinen Läden. Es ist immer sehr inspirierend sich durch die Strassen treiben lassen. Wir haben eine für uns perfekte Strasse gefunden, in der wir parken/schlafen konnten. Grösster Pluspunkt wir können direkt am Morgen aufs Bike und den Haushügel "Christobal" von Santiago hoch pedalieren. Es gibt hier ein paar coole Mountainbike-Trails die schnell zu unseren "Haus-Trails" wurden. Wir konnten ein paar gesundheitliche Check-ups machen und uns für die Weiterreise vorbereiten.

Beim Einkaufen haben wir gemerkt, dass die Chilenen importierte Produkte lieben und so standen wir in einem Supermarkt in Südamerika vor einem Regal gefüllt mit deutschen Produkten, zum Teil sogar noch mit der originalen deutschen Beschriftung. Wow - wir konnten es nicht glauben, diese Produkte hatten definitiv eine weite Reise hinter sich. Doch die Preise haben es dafür auch in sich, Chile ist unglaublich teuer, je nachdem in welchen Supermarkt, Orten und Regionen man sich aufhält. Darum haben wir uns entschlossen in Santiago auf den Markt zu gehen. Wir liefen einige Kilometer in Richtung Markt und die Häuser als auch die Gegend verändert sich mehr und mehr. Die coolen Läden und glänzenden Hochhäuser verschwanden stattdessen kamen einfache Blechhütten und baufällige Häuser an dessen Stelle zum Vorschein. Uns kam es vor als hätten wir plötzlich das Land gewechselt. Sind wir noch in Santiago? Leider gibt es viele Städte in Südamerika. wo zwei Welten in einer leben. Die Markterfahrung kapitulierte uns zurück in unsere Zeit in Mexiko, dort waren wir häufig auf Märkten einkaufen. Es ist laut und sämtliche Gerüche, gute wie auch nicht so gute strömen auf uns ein. Jeder will etwas verkaufen und ruft dies aus vollem Halse heraus. Viele Menschen leben hier auf der Strasse, es ist dreckig, aber irgendwie auch authentisch. Wir kaufen unser Gemüse und Obst bei den verschiedenen Ständen ein und lassen uns etwas durch die Menge schieben. Wie immer fallen wir auf, weiss gross und Anna blond. Auf dem Weg zu Ferdi reden wir lange über das Erlebte, wie kann eine Stadt bzw. ein Land so zweigeteilt sein. Die Chance aus der einen Welt in die andere zu gelangen ist gleich null und auch der Kontakt der jeweiligen zwei Seiten untereinander ist sehr gering. Wie kann Reichtum und Elend so nah beieinander sein und keiner macht etwas dagegen. Es ist nicht das erste Mal, dass wir so etwas erleben und doch jedes Mal berührt es uns sehr. Zudem wird es uns wieder bewusst, wie privilegiert wir sind, allein dank unserem Geburtsort. Und auch wir leben grösstenteils in unserer Bubble.

Wir besucht noch einen Kollegen von Amir, der uns für eine paar Tage in seiner Einfahrt beherbergte und wir endlich mal Ferdi gründlich durchputzen konnten. Wir fanden in jeder Ritze Sand und Staub von unseren Abenteuern in der Wüste.

Als Ferdi wieder sauber war und wir alles erledigen konnten, zieht es uns weiter. Erster Stopp ist ein kleines Städtchen namens Rancagua. Was uns hierhin verschlägt? Ein kleine Produktionsstätte von Taschen der Firma "Choike".


Wir haben nämlich ein weiteres Abenteuer vor - wir möchten den Grossteil von Patagonien nur mit dem Fahrrad erkunden.


Hierfür benötigen wir noch die passende Taschen, die wir an unsere Bikes montieren können. "Choike" wurde 2016 von einem begeisterten Fahrradfahrer gegründet, um bei seinen Geländeabenteuer mit leichtem Gepäck unterwegs zu sein oder weite Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen und dabei das Nötigste mitnehmen zu können. Wir lieben, dass die Abenteuerlust zu Unternehmertum geführt hat und freuen uns die Produktion besichtigen zu können. Der Besitzer stellt hier die Taschen mit einem kleinen Team vor Ort her. Er hat uns alles gezeigt von den Stoffen zu den Nähmaschinen und die fertigen Taschen. Lange diskutierten wir, welche Taschen für uns sinnvoll wären und testeten alle möglichen Bags direkt am Bike aus. Wir sind so glücklich, dass wir vor Ort alles ausprobieren konnten, so fiel uns die Entscheidung leichter. Wir glauben wir haben eine tolle Auswahl getroffen. Wir freuen uns schon sehr, wenn wir die Taschen packen und los radeln können. Doch bis dahin dauert es noch eine Weile, das Wetter in Patagonien ist aktuell noch zu kalt und regnerisch. Zudem gibt es noch einiges was wir mit unserem Van entdecken wollen und so einige Bike Parks und Enduro-Trails die wir noch radeln erkunden möchten.

Am nächsten Tag geht es zu einem Bike Park der uns empfohlen worden ist - "Bike Park Las Palmas". Wie so oft wissen wir nicht, was uns erwartet. Umso überraschter waren wir einen so professionellen Bike Park vorzufinden mit Pumptrack, Slope-Style Sprüngen und so einigen spassigen Trails, umgeben von einer wunderschönen Landschaft. Auch wenn der Up-hill mit so einige steile Passagen die Muskeln brennen lässt, lohnt sich der Aufstieg. Die Trails machen uns Spass mit ihren schnellen Kurven, den Sprüngen und Drops. Am Abend stellten wir uns mal wieder die Frage, wo wir heute übernachten können. Kurzerhand fragten wir am Kiosk nach, ob wir vielleicht auf dem Parkplatz stehen bleiben könnten. Leider war dies nicht möglich, doch die Frau namens Ximena meinte, sie hätten ein Platz für uns wo wir übernachten können. Wir sollen ihr einfach hinterherfahren, es sei nur 5 Minuten entfernt. Wir konnten unser Glück nicht glauben. Nach einer kurzen Autofahrt standen wir etwas oberhalb auf einem Hügel an einer "Media-Luna" Rodeo-Stadium und dem dazugehörigen Fiesta-Gebäude mit Toiletten und Duschen. Sie lebt hier auf dem Anwesen, ihr Haus steht dort weiter unten und auf der anderen Seite in der Ferne sehen wir das Haus von ihren Eltern, dazwischen sind noch ein paar Ställe. Wir dürfen hier so lange bleiben wie wir wollen. Was für ein wunderschöner Ort, so still und friedlich, in der Ferne sehen wir eine grosse Herde Pferde weiden, dahinter Kühe und irgendwo hören wir auch noch Schafe. Wir freuten uns sehr über diese tolle Möglichkeit. Kurze Zeit später klopfte es an unserer Tür, Carlos Häusler der Papa von Ximena und Besitzer von dem ganzen Land hier stand vor unserer Van. Er wollte mal nachschauen, wer denn da angekommen ist. Er versicherte uns, dass wir auf gar keinen Fall stören und er freut sich, dass wir seine Gäste sind. Am nächsten Mittag gibt es ein BBQ für alle Mitarbeiter auf dem Hof und wir sind herzlich eingeladen. So eine nette Einladung nehmen wir natürlich gerne an. Es ist immer etwas besonderes einen Einblick in das Leben von Anderen zu bekommen und so herzlich aufgenommen zu werden.

Beim BBQ gab es frisch geschlachtetes Lamm. Wie wir erfahren haben, dürfen sie die Schafe noch vor Ort schlachten, Rinder aber nicht. Uns wurden die Teller mit viel Fleisch gefüllt und wir haben sogar noch einen extra Teller für später in die Hand gedrückt bekommen. Wow so viel Fleisch, wir waren leicht überfordert. Beim Mittagessen haben wir Diego, ein weiteres Kind von Carlos kennengelernt. Wie sich herausstellte sind sie 7 Geschwister. Diego pflanzt seit Corona auf dem Hof eine Vielfalt an Bäume an, um wieder mehr Diversität in das Gelände zu bekommen. Wir unterhalten uns lange mit ihm über die Vorteile und seine Visionen. Wir verabreden uns für den nächsten Tag, um ihm beim Bäume pflanzen zu helfen. Zudem wurden wir zu der grossen Familienfeier am Chilenischen Nationalfeiertag eingeladen. Diese Tradition gibt es bereits seit 100 Jahren. Dem darauffolgenden Tag pflanzenten wir also mit Diego Bäumchen, schnitten Grass und Bäume zurecht. Er zeigte uns stolz die bereits gross gewordenen Bäume und den Gemüsegarten hinter dem Haus. Toll - so viel frischer Salat und Gemüse., dass möchten wir auch mal haben. Es hat richtig Spass gemacht mit unseren Händen zu arbeiten, in der Erde zu graben und am Abend zu sehen, was wir alles geschafft haben. Auch wenn die Arbeitsgeschwindigkeit nicht der unseren entsprach, war es eine tolle Abwechslung.

Die Feier ging zwei Tage lang und war ein sehr besonderes Ereignis, welches wir nie vergessen werden. Wir haben viele Hände geschüttelt, tolle Gespräche geführt, viel gegessen, getanzt und einige Gläser Rotwein und Piscola getrunken. Die Familie Häusler ist wie wir feststellten eine sehr sehr grosse Familie, und so waren wir ca. um die 70 Leute auf diesem "Familien-Fest". Jeder hat uns so herzlich aufgenommen und uns zahlreiche Bike-Möglichkeiten und schöne Ort empfohlen bekommen. Ein weiteres Highlight war ihre Rodeo-Vorstellung, bei der zwei Reiter auf dem Pferd versuchten eine Kuh an der Bande einzuklemmen. Für eine neue Erfahrung, noch nie haben wir dies zuvor gesehen. Wir respektieren ihre Tradition, aber es wird sicherlich nicht unser neuer Lieblingssport. Dafür sind die Umstände doch sehr fragwürdig. Die Gastfreundschaft war wirklich unglaublich, wir haben uns so aufgenommen gefühlt und so viele nette Menschen kennengelernt. Wir fühlen uns geehrt einen so privaten Einblick in die Familie Häusler bekommen zu haben. Wir sind für solche Begegnungen sehr dankbar, da sie das Reisen so wertvoll machen und so manche Anekdote reicher.


Für uns geht es weiter Richtung Süden mit zahlreichen neuen gespeicherten Punkten auf unserer Karte, die wir zum Biken auschecken möchten. Wir freuen uns wieder viel auf dem Bike zu sein und Chile mit dem Van und Bike entdecken zu können.




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